Missbrauchsskandal an Jesuiten-Schulen: 115 Opfer
City- & Szenenews
20.02.2010
Ein Skandal, der ganz Deutschland erschüttert: Viele Opfer brachen ihr Schweigen über sexuellen Missbrauch an den kirchlichen Jesuiten-Schulen. Doch die Zahl der Opfer steigt weiter...
Als das Berliner Canisius-Kolleg im Januar die ersten Missbrauchsfälle meldete, stand Deutschland unter Schock. Der Schrecken nimmt allerdings kein Ende: Täglich kommen neue, erschütternde Wahrheiten ans Tageslicht.
Ursula Raue, Rechtsanwältin aus Berlin, zog jetzt eine erste Bilanz: Bundesweit hätten sich bereits 115 Opfer gemeldet. Darüber hinaus wurden auch Stimmen von Opfern laut, die keine Jesuiten-Schulen, sondern andere katholische Einrichtungen besucht hatten. Bislang seien Raue zwölf Täter namentlich bekannt, wobei es sich überwiegend um Patres, aber auch Lehrer und Bedienstete der Schulen handelte; mittlerweile wurden auch zwei Frauen beschuldigt, Schüler missbraucht zu haben. "Das hat eine Dimension angenommen, die bisher nicht zu ahnen war", so Raue laut der Tagesschau.
Keine schwere Gewalt - aber macht es das besser?
Ursula Raue betont: "Wir reden nicht von schwerer Gewalt." Bei den Vorfällen sei es nie zu Vergewaltigungen gekommen.
Dennoch räumt die Rechtsanwältin ein, dass die Vorfälle von einer "sadistisch-sexuellen Komponente" zeugen. Schüler wurden mit Schlägen auf den nackten Po bestraft - und schlimmer: Manche wurden zur Selbstbefriedigung gezwungen, mussten sich vor den Patres ausziehen und sich nackt fotografieren lassen. Der Missbrauch konzentrierte sich vor allem auf die Manipulation der Genitalien der Schüler, die zudringliche Zärtlichkeiten hinnehmen mussten. Die Folgen wiegen schwer: Mehrere Opfer hatten sich das Leben genommen.
Beschämung unter den Jesuiten
Der Zwischenbericht der Rechtsanwältin löste unter den geschockten Jesuiten Beschämung aus. Ordensprovinzial Stefan Dartmann: "Ich danke den Opfern und Betroffenen, dass sie nicht mehr schweigen, sondern den Mut gefunden haben, uns mit ihren Erfahrungen zu konfrontieren." Es sei "eine Schande", dass die Personalakten der Orden die Strafen, die die Jesuiten ihren Schülern zugefügt hatten, nicht vermerkten.
Nachdem das Canisius-Kolleg den Stein ins Rollen gebracht und damalige Opfer endlich ihr Schweigen gebrochen hatten, folgten mitunter Schüler der Jesuiten-Schulen St. Blasien im Schwarzwald und dem Aloisiuskolleg in Bonn. Die tragischen Vorfälle ereigneten sich in den 1970er und 80er Jahren - und können deshalb kaum strafrechtlich verfolgt werden, da sie verjährt sind. Doch Ursula Raue rechnet fest damit, dass die Zahl der Opfer, die nun ihre Stimme erheben, noch erheblich steigen wird.
(nm)
Ein Skandal, der ganz Deutschland erschüttert: Viele Opfer brachen ihr Schweigen über sexuellen Missbrauch an den kirchlichen Jesuiten-Schulen. Doch die Zahl der Opfer steigt weiter...
Als das Berliner Canisius-Kolleg im Januar die ersten Missbrauchsfälle meldete, stand Deutschland unter Schock. Der Schrecken nimmt allerdings kein Ende: Täglich kommen neue, erschütternde Wahrheiten ans Tageslicht.
Ursula Raue, Rechtsanwältin aus Berlin, zog jetzt eine erste Bilanz: Bundesweit hätten sich bereits 115 Opfer gemeldet. Darüber hinaus wurden auch Stimmen von Opfern laut, die keine Jesuiten-Schulen, sondern andere katholische Einrichtungen besucht hatten. Bislang seien Raue zwölf Täter namentlich bekannt, wobei es sich überwiegend um Patres, aber auch Lehrer und Bedienstete der Schulen handelte; mittlerweile wurden auch zwei Frauen beschuldigt, Schüler missbraucht zu haben. "Das hat eine Dimension angenommen, die bisher nicht zu ahnen war", so Raue laut der Tagesschau.
Keine schwere Gewalt - aber macht es das besser?
Ursula Raue betont: "Wir reden nicht von schwerer Gewalt." Bei den Vorfällen sei es nie zu Vergewaltigungen gekommen.
Dennoch räumt die Rechtsanwältin ein, dass die Vorfälle von einer "sadistisch-sexuellen Komponente" zeugen. Schüler wurden mit Schlägen auf den nackten Po bestraft - und schlimmer: Manche wurden zur Selbstbefriedigung gezwungen, mussten sich vor den Patres ausziehen und sich nackt fotografieren lassen. Der Missbrauch konzentrierte sich vor allem auf die Manipulation der Genitalien der Schüler, die zudringliche Zärtlichkeiten hinnehmen mussten. Die Folgen wiegen schwer: Mehrere Opfer hatten sich das Leben genommen.
Beschämung unter den Jesuiten
Der Zwischenbericht der Rechtsanwältin löste unter den geschockten Jesuiten Beschämung aus. Ordensprovinzial Stefan Dartmann: "Ich danke den Opfern und Betroffenen, dass sie nicht mehr schweigen, sondern den Mut gefunden haben, uns mit ihren Erfahrungen zu konfrontieren." Es sei "eine Schande", dass die Personalakten der Orden die Strafen, die die Jesuiten ihren Schülern zugefügt hatten, nicht vermerkten.
Nachdem das Canisius-Kolleg den Stein ins Rollen gebracht und damalige Opfer endlich ihr Schweigen gebrochen hatten, folgten mitunter Schüler der Jesuiten-Schulen St. Blasien im Schwarzwald und dem Aloisiuskolleg in Bonn. Die tragischen Vorfälle ereigneten sich in den 1970er und 80er Jahren - und können deshalb kaum strafrechtlich verfolgt werden, da sie verjährt sind. Doch Ursula Raue rechnet fest damit, dass die Zahl der Opfer, die nun ihre Stimme erheben, noch erheblich steigen wird.
(nm)
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