Erziehung bedeutet an sich selbst zu arbeiten

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Psychologin Sandra Velasquez: Eltern sollten sich selbst kennen (Foto: privat)
09.05.2011

Kindererziehung ist nicht einfach. Psychologin Sandra Velasquez setzt in ihrem neuen Buch bei den Eltern an. Nur wenn die an sich arbeiten, können Sie zum Brückenpfeiler in der Beziehung zu ihren Kindern werden.

Um ein Kind zur Freiheit zu erziehen, brauchen Eltern Klarheit über sich selbst. Diese Botschaft vermittelt die Wiener Psychologin Sandra Velasquez in ihrem Buch "Die Brücke zu dir", das soeben bei Ueberreuter erschienen ist. "Eltern lesen unzählige Ratgeber, doch oftmals können sie deren Inhalte nicht anwenden. Angst vor früher erlebten Erfahrungen, die oft Erniedrigungen waren, lähmt sie. Oft kommt das daher, dass sie ihre eigene Wirksamkeit in der Erziehung ihrer Kinder nicht spüren", so die Autorin im pressetext-Interview.

Eltern sind Brückenpfeiler

Die Herausforderung der Elternschaft vergleicht Velasquez mit dem Bau einer Brücke. "Eine Brücke verbindet zwei Standpunkte, ist der Witterung ausgesetzt und muss dieser standhalten. Das gelingt ihr nur, wenn die Pfeiler und das Fundament solide sind." Ebenso entscheide bei Menschen die gute persönliche Festigung über die Beziehungsfähigkeit. Der Steg der Brücke symbolisiert die Verbindung zwischen Eltern und Kind.

Die Eltern - von Velasquez als "erster Pfeiler" bezeichnet - nehmen den größten Teil des Buches ein. Von ihrer Fähigkeit, den Weg zu weisen, hänge es ab, ob das Kind Werte wie Sicherheit, Respekt, Selbstüberwindung, Gemeinschaftssinn, Dankbarkeit und Liebe entwickle - oder jedoch häufige Zornausbrüche, exzessiven Medienkonsum, Narzissmus und Egoismus. "Eltern müssen den Steg anfangs alleine tragen. Denn Kinder sind keine fertigen Pfeiler, sondern aktive Empfänger, die laufend Material zum eigenen Aufbau brauchen - bis eines Tages beide Pfeiler ebenbürtig den Steg halten."

Bewegung vermitteln

Besitzen Eltern etwa infolge einer glücklichen Kindheit selbst ein gutes Fundament, können sie sich in schwierigen Phasen oft auf ihre Intuition verlassen. Doch auch ohne diesen Vorsprung sollte man nicht verzweifeln, ermuntert Velasquez. Kinder würden vor allem das lernen, was man ihnen vorlebt. "Die Botschaft, dass man Dinge durch ständige Bewegung, Aktivität und Weiterkämpfen verändern kann, ist für sie viel wichtiger als Perfektion und Fehlerlosigkeit."

Wenn sich Eltern Erziehungswerkzeuge und Wissen über die Kindesentwicklung aneignen, gelingt es ihnen eher, ein bockendes Kind nicht vorschnell als Tyrannen oder Rebellen abzustempeln. Um hier mit der erforderlichen Klarheit, Entschlossenheit und Liebe zu antworten, sollte man jedoch vor allem konsequent nach Selbsterkenntnis streben.

Selbsterkenntnis macht stark

"Wer sich gut kennt, trifft bewusstere Entscheidungen, kann das Leben eher nach eigenen Idealen führen, Verantwortung übernehmen und somit zum guten Brückenpfeiler werden. Eltern sollten sich deshalb immer wieder mit ihren eigenen Werten und Zielen beschäftigen, sich selbst reflektieren oder das Gespräch mit anderen dazu nutzen", so Velasquez.

Für diese Selbstreflexion will die Familienpsychologin mit ihrem Buch eine Hilfestellung bieten. Der Leser wird durch Fallbeispiele und direkte Fragen ständig aufgefordert, seinen Standpunkt zu definieren, was dem Werk den Charakter eines Arbeitsbuches verleiht. "Ziel ist es, dass die Eltern fester vor ihren Kindern stehen können - und ihnen dadurch auch die Voraussetzungen geben, starke Persönlichkeiten zu werden."

(pte/pb)

1
Kommentar insgesamt

Rosana Reber
11.09.2011 19:52
reg. Mitglied
Toll!! Noch ein Buch über Erziehung,es gibt ja nicht schon genug. Noch ein Buch das verunsicherte Eltern daran hindert sich selbst Gedanken zu machen,sie animiert sich an ein fest vorgeschriebenes Schema zu halten, eine Anleitung. Jedes Kind ist ein Individuum,eine eigene kleine Persönlichkeit. Kein Kind gleicht dem anderen und darum gibt es keine allgemeingültige Anleitung wie man ein Kind zu erziehen hat. Was beim einen Kind hilft kann beim nächsten auf total taube Ohren stoßen.
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