Germany's Next Topmodel: Das war das Finale

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06.06.2008

Eine Show mit Schweißflecken, Federn und Vogelspinne.

Man muss zugeben: Das Ganze war großartig inszeniert. Ein rückblickender Zusammenschnitt hier, sich umklammernde Kandidatinnen da, vor dem "Topmodel"-Finale noch jede Menge gelungenes Teasing und danach noch Wiederkäuen bei Stefan Raab. Man hätte meinen können, es werden gleich zwei neue US-Präsidenten auf einmal gewählt.

Doch es kann nur eine geben. Nein, nicht Heidi! Die 35-Jährige hat ja schon mal gewonnen - in einer der ersten Castingshows im deutschen Fernsehen. Model '92 hieß Wettbewerb, der damals noch in vergleichsweise kleinem Rahmen in Thomas Gottschalks Late-Night-Show lief, und die damals 19-jährige Klum sahnte einen 300.000 Dollar schweren Modelvertrag ab.

Alles live?

Heidi Klum also, obwohl mit dem Konzept Castingshow mittlerweile von beiden Seiten vertraut, verkündete vor der Sendung, sie habe Schweißflecken unter den Armen vor Aufregung. Schließlich sei ja alles live!
Beides stimmte nicht: Schweißflecken waren nicht zu sehen, und live war die Sendung auch nicht. Ein Bericht, der auf der Webseite http://www.factorfake.de/news...xt-topmodel.html“ title=“zum Artikel“ target=“_blank“ class=“text_normal_rot“>factorfake.de bereits um 19.34 Uhr veröffentlicht wurde, kannte das Ergebnis – tatsächlich wurde die Sendung http://www.boennigheimerzeitu...?artikel=3620519“ title=“Zeitungsbericht“ target=“_blank“ class=“text_normal_rot“> bereits am Nachmittag aufgezeichnet.

Spannend war es trotzdem, denn jede der Finalistinnen hatte Charme und Ausstrahlung. Und warum es am Ende Jenny und nicht Janina wurde, lässt sich nicht an ihren Leistungen in der Show festmachen. Ob Stolzieren mit Federn oder Posieren mit abstoßenden Tieren: Die beiden Mädchen waren gleich gut in diesen offenbar überlebenswichtigen Disziplinen. Nur ihrer Mitkonkurrentin Christina fehlte auf den letzten Metern der Mumm. Als es zur ersten Entscheidung um das Ausscheiden kam, war sie die einzige, die schon keine Kraft mehr zum Lächeln hatte - sie hatte es wohl schon geahnt.

Ein bisschen falsch, ein bisschen fies

Man wusste nicht ganz, ob die lange Wartezeit eine Technikpanne war: Mindestens zehn Mal musste Heidi Klum als böse Stiefmutter mit ihren beiden Kandidatinnen vorm Spieglein stehen und fragen: "Wer wird Germany' Next Topmodel?" Nicht das einzige Missgeschick: Bei der Fast-Live-Sendung war keine Zeit mehr, Heidi Klums kleine Sprachmacken rauszuschneiden. So beteiligte sie sich fröhlich am Tod des Genitivs - "Guckt euch der Jenny ihre Augen an!" - und half mit, den volkstümlichen Als-wie-Vergleich weiter zu verbreiten: "Peyman, ist es anders als wie bei den ersten beiden Malen?"

Sowas ist menschlich - genau wie die spitze Bemerkung, die Klum fallen ließ, als sie sich den ausgeschiedenen Kandidatinnen widmete. Als die "Heulsuse" Gisele zu Protokoll gab, dass sie jetzt wieder viel Zeit mit ihren Freunden verbringe (was die realistische Einschätzung einschließt, dass die GNT-Crew nicht zu ihren Freunden gehört), musste Heidi Klum doch noch mal nachhaken: "Aber du hattest doch auch ein bisschen Spaß mit uns, oder, Gisele?" Und als die bejahte, schob Klum nach: "Wir hatten auch viel Spaß mit dir, Gisele." Das sollte vielleicht nett klingen, doch irgendwie wird man die Vermutung nicht los, dass damit eher das Drangsalieren in den Rauswurf-Situationen gemeint war - und dass es Heidi Klum tatsächlich Spaß gemacht hat, sich ein bisschen als Schauspielerin auszuprobieren und die zitternden Mädchen zappeln zu lassen.

"Auf diese drei können wir wirklich stolz sein"

Unter dem Vorwand, die Mädchen mit den Anforderungen des "echten Modellebens" zu konfrontieren, mussten sie alle möglichen Prüfungen bestehen - fast wie Figuren in einem Computerspiel. Für die Mädchen allerdings ist es bitterer Ernst, nicht zuletzt, weil Millionen von Fernsehzuschauern sie dabei beobachten, wie sie fast nackt oder mit wildfremden Männern posieren - jedes "normale" Model wird nicht noch dabei beobachtet, wie es sich vor der Vogelspinne auf der Schulter ekelt, sondern hat wenigstens dieses Stück Privatsphäre für sich.

Trotz dieses öffentlichen Drucks haben sich 18.000 Mädchen beworben, um Germany's Next Topmodel zu werden. Sie sind - wie jetzt Jenny - überzeugt, dass sich ihr Leben mit diesem Titel von Grund auf ändern wird. Das alte scheint so schlimm gewesen zu sein, dass die meisten bereit sind, sich den Anordnungen der Jury sklavisch unterzuordnen und sich einem Massenpublikum vorzustellen, das alle ihre Bewegungen kommentiert. Ob es das wert ist, müssen die Mädchen selbst entscheiden - ob man allerdings mit 16 bzw. 17 Jahren dazu in der Lage ist, ist eine andere Frage.

The winner takes it all

Jetzt wird man wohl noch ein paar Tage diskutieren, ob die Entscheidung für Jenny und gegen Janina gerechtfertigt war. Möglicherweise ist das wichtigste Argument für die inzwischen zur Blondine gefärbten Jennifer Hof ihr Alter: Mit 17 ist sie (angeblich) genau im richtigen Alter, um eine Modelkarriere anzufangen. Und genau im richtigen Alter, damit sich viele Schülerinnen mit ihr identifizieren? Man wird es nicht erfahren.

Also hält man sich an die harten Fakten: Bewundert werden nun offiziell - nein, nicht ihre faszinierende androgyne Ausstrahlung, sondern ein messbarer Rekord, denn wir alle lieben ja Zahlen und scheinbar objektive Vergleichbarkeit: 1,13 m lang sind ihre Beine. Und wir erfahren brandheiß, wie schwer es die ungewöhnlich große Schülerin aus Rodgau früher hatte - als "Bohnenstange" sei sie gehänselt worden, habe sich aber nicht unterkriegen lassen.
Solche bahnbrechenden Neuigkeiten werden uns noch ein paar Tage begleiten, bis sich der Rummel wieder gelegt hat - so lange aber werden die Nachrichtenagenturen ihr ein Mikro unter die Nase halten, wenn sie denn ankommen.

(ur)
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