Geschmacklos: Fernsehshow vermietet Babys

Kino & TV

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26.02.2008



Die niederländische Fernsehproduktionsfirma Endemol hat bereits 2007 mit ihrer Sendung "De grote Donorshow" ("Die große Spendershow") Aufsehen erregt. In der Gameshow sollten die Kandidaten um die Niere einer todkranken 36-jährigen Frau spielen. Am Ende sollten die Zuschauer per SMS abstimmen, welcher Kandidat das lebenswichtige Spenderorgan bekommt. Bei Ankündigung der Sendung war die Entrüstung unter den Niederländern groß. Doch am Ende stellte sich die Aktion als große Täuschung heraus: Die todkranke Frau war eine Schauspielerin. Die Sendung wollte mit ihrem PR-Gag die Aufmerksamkeit auf das Thema Organspende lenken.

Bitterer Ernst

Nun kommt Endemol mit einer neuen Show an den Start - diesmal meinen die Produzenten es jedoch bitterernst. Bereits seit Mitte Januar läuft "Baby te huur" auf dem niederländischen Sender BNN. In der Sendung können junge Paare sich Kinder ausleihen, um ihre Elternqualitäten zu testen.

Die 17- bis 25-jährigen Kandidaten müssen zunächst einmal "schwanger spielen". Danach bekommen die Paare immer im Abstand von drei Tagen jeweils einen Säugling, ein Kleinkind, einen Achtjährigen und einen Teenager. Die ganze Zeit werden sie bei ihren Erziehungsversuchen mit der Kamera begleitet. Das Experiment dauert drei Wochen und wird in acht Episoden ausgestrahlt. Angeblich bekommen die Eltern der Leihkinder kein Geld dafür, dass sie ihren Nachwuchs für die Sendung zur Verfügung stellen.

Kein unbedenkliches Experiment

Endemol bezeichnet seine Sendung als ein soziales Experiment. Die Kandidaten bekommen alles, was man braucht, um ein Kind in angemessener Atmosphäre groß zu ziehen - ein Haus, Geld und eben ein Kind. Die Eltern der Leihbabys sind die ganze Zeit per Video dabei und können ihre Kinder 24 Stunden am Tag beobachten. Außerdem ist ein ausgebildetes Kindermädchen rund um die Uhr anwesend.
Für die Berliner Diplompsychologin Silke Haase reichen diese Argumente nicht aus, um die Sendung als unbedenkliches soziales Experiment einzustufen. Was in der Show geschaffen werde, sei weder für das Kind noch für die Test-Eltern eine normale Situation. Teenager können sich zwar ab einem gewissen Alter bewusst auf die Sache einlassen, doch für kleine Kinder ist der plötzliche Beziehungsabriss zu den Eltern gravierend. Schon Säuglinge merken, dass ihre Eltern fehlen. Dies könne zu Ängsten führen.

Bald auch in Deutschland?

In den Niederlanden ist die Aktion höchst umstritten. Möglicherweise geht die Debatte bald in Deutschland weiter. Laut Boris Brandt, dem Geschäftsführer von Endemol Deutschland, ist das Format bereits einigen deutschen Sendern angeboten worden.
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