Angelo Kelly: Punk-Engel in Potsdam
Musik
21.11.2008
Beim gestrigen Konzert im Potsdamer Lindenpark überraschte der jüngste Kelly-Spross mit Anklängen an Radiohead und die Foo Fighters. Highlight war natürlich "An Angel" - aber gaaaaaanz anders...
In den Neunzigern standen sie zu neunt auf der Bühne, ließen Teenie-Herzen höher schlagen und Eltern, Freunde und Bekannte am guten Geschmack der Fans zweifeln. Auch wenn blöde Vorurteile immer nur blöde Vorurteile bleiben werden - so ganz selbstbewusst prahlt man eigentlich nicht damit, zu einem Konzert von Angelo Kelly zu gehen. Doch schon nach den ersten Akkorden wird klar, dass man sich umsonst (fremd-)geschämt hat. Was gestern Abend im Lindenpark geboten wurde, erinnert nicht mehr an weichgespülten Folkpop und irische Wollpullover. Es ging knallhart zur Sache. Gitarre, Bass und Schlagzeug, mehr Instrumente (und mehr als die sprichwörtlichen drei Akkorde) brauchte es nicht, um den nicht einmal zur Hälfte gefüllten Lindenpark zum Kochen zu bringen.
Der junge Herr Kelly war schon immer einer der vielseitigsten in seiner Familie. Schon als junger Teenager raubte er Musikkennern am Schlagzeug Atem und Nerven, fing dann früh an, die Alben der Familienband mitzuproduzieren und schrieb mit nur 13 Jahren den bis jetzt größten Hit der Band "I Can't Help Myself". Neben den langen blonden Haaren bis zum Hintern und der beeindruckenden Musikalität ist allerdings vom früheren Angelo Kelly wenig geblieben. In Jeans und schwarzem T-Shirt gibt er den Frontman einer ernstzunehmenden Rock-Grunge-Punk-Combo - laut, wild und... gut!
Trotz der geringen Zuschauerzahl im Lindenpark wird schon beim ersten Stück gefeiert, getanzt, ge-headbangt, mitgesungen, geklatscht und geschrien. Die anwesenden Fans scheinen den Wandel in der Musik des Herrn Kelly zu begrüßen und mitzutragen - auch wenn auffällt, dass sein Publikum deutlich jünger ist, als das der Restfamilie. Kein Wunder - mit kreischenden Gitarren, ausufernden Solos und Songs, die an die Foo Fighters oder Radiohead erinnern, kann man einige der älteren, hartgesottenen Kellyfans einfach nicht begeistern. Dafür ist die Zielgruppe deutlich erweitert worden und es befinden sich auffallend viele junge Männer im Publikum, die (zumindest) nicht alle von der Freundin mitgeschleppt wurden.
Die großen Highlights des Konzerts sind dann aber doch die alten Hits. Davon singt Angelo nur zwei und wirklich zu erkennen sind diese Neuinterpretationen nur durch textsichere Altfans. Aus der leicht kitschigen Single "Because it's Love" von 1997 wird ein Funkstück erster Güte und der absolute Gipfel ist das neue "An Angel". Reggae-Strophen, bei denen Herr Kelly öfter die textliche Unterstützung der Fans benötigt, werden unterbrochen durch den stakkatoartigen Punk-Refrain, bei dem der ganze Club - mit der Faust in der Luft - mitbrüllt. Das Ganze muss man sich ungefähr so vorstellen:
Alle Vorurteile weggeblasen? Dann beim nächsten Mal einfach auch vorbeischauen, es lohnt sich!
(so)
Beim gestrigen Konzert im Potsdamer Lindenpark überraschte der jüngste Kelly-Spross mit Anklängen an Radiohead und die Foo Fighters. Highlight war natürlich "An Angel" - aber gaaaaaanz anders...
In den Neunzigern standen sie zu neunt auf der Bühne, ließen Teenie-Herzen höher schlagen und Eltern, Freunde und Bekannte am guten Geschmack der Fans zweifeln. Auch wenn blöde Vorurteile immer nur blöde Vorurteile bleiben werden - so ganz selbstbewusst prahlt man eigentlich nicht damit, zu einem Konzert von Angelo Kelly zu gehen. Doch schon nach den ersten Akkorden wird klar, dass man sich umsonst (fremd-)geschämt hat. Was gestern Abend im Lindenpark geboten wurde, erinnert nicht mehr an weichgespülten Folkpop und irische Wollpullover. Es ging knallhart zur Sache. Gitarre, Bass und Schlagzeug, mehr Instrumente (und mehr als die sprichwörtlichen drei Akkorde) brauchte es nicht, um den nicht einmal zur Hälfte gefüllten Lindenpark zum Kochen zu bringen.
Der junge Herr Kelly war schon immer einer der vielseitigsten in seiner Familie. Schon als junger Teenager raubte er Musikkennern am Schlagzeug Atem und Nerven, fing dann früh an, die Alben der Familienband mitzuproduzieren und schrieb mit nur 13 Jahren den bis jetzt größten Hit der Band "I Can't Help Myself". Neben den langen blonden Haaren bis zum Hintern und der beeindruckenden Musikalität ist allerdings vom früheren Angelo Kelly wenig geblieben. In Jeans und schwarzem T-Shirt gibt er den Frontman einer ernstzunehmenden Rock-Grunge-Punk-Combo - laut, wild und... gut!
Trotz der geringen Zuschauerzahl im Lindenpark wird schon beim ersten Stück gefeiert, getanzt, ge-headbangt, mitgesungen, geklatscht und geschrien. Die anwesenden Fans scheinen den Wandel in der Musik des Herrn Kelly zu begrüßen und mitzutragen - auch wenn auffällt, dass sein Publikum deutlich jünger ist, als das der Restfamilie. Kein Wunder - mit kreischenden Gitarren, ausufernden Solos und Songs, die an die Foo Fighters oder Radiohead erinnern, kann man einige der älteren, hartgesottenen Kellyfans einfach nicht begeistern. Dafür ist die Zielgruppe deutlich erweitert worden und es befinden sich auffallend viele junge Männer im Publikum, die (zumindest) nicht alle von der Freundin mitgeschleppt wurden.
Die großen Highlights des Konzerts sind dann aber doch die alten Hits. Davon singt Angelo nur zwei und wirklich zu erkennen sind diese Neuinterpretationen nur durch textsichere Altfans. Aus der leicht kitschigen Single "Because it's Love" von 1997 wird ein Funkstück erster Güte und der absolute Gipfel ist das neue "An Angel". Reggae-Strophen, bei denen Herr Kelly öfter die textliche Unterstützung der Fans benötigt, werden unterbrochen durch den stakkatoartigen Punk-Refrain, bei dem der ganze Club - mit der Faust in der Luft - mitbrüllt. Das Ganze muss man sich ungefähr so vorstellen:
Alle Vorurteile weggeblasen? Dann beim nächsten Mal einfach auch vorbeischauen, es lohnt sich!
(so)
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