Allein gegen Hitler

City- & Szenenews

City- & Szenenews
Foto anzeigen
© Ismael Montero Verdu, 2008
26.09.2008

Für einen Einzelattentäter wurde in Berlin nach fast 70 Jahre ein Denkmal eingeweiht.

In Berlin ist am Mittwoch ein Denkmal für den Hitler-Attentäter Georg Elser enthüllt worden. Der gelernte Schreiner Elser hatte am 8. November 1939 versucht, den nationalsozialistischen Diktator Adolf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller in die Luft zu sprengen.

Elsers Motivation: den Krieg, auf den Deutschland nach dem Münchner Abkommen 1938 nach Elsers Auffassung offenkundig zusteuerte, zu verhindern. Dafür hatte sich Elser, der früh Gegner des Nationalsozialismus war und bereits 1933 den Hitlergruß verweigerte, lange und sorgfältig vorbereitet. Da Hitler abends vor jedem Jahrestag seines gescheiterten Putschversuchs vom 9. November 1923 im Münchner Bürgerbräukeller eine Rede hielt, hatte Elser beschlossen, in die Säule hinter dem Rednerpult eine Zeitbombe einzubauen.

Die Vorbereitung

Elser verdingte sich zunächst als Arbeiter in einem Steinbruch, um dort an Sprengstoff zu gelangen. Im Sommer 1939 zog er nach München und mietete dort eine kleine Werkstatt. Nachbarn gegenüber gab er sich als Erfinder aus, um so unauffällig an der Konstruktion eines Zeitzünders zu arbeiten.

Die nächsten Schritte

Ab Ende August 1939 suchte Elser den Bürgerbräukeller jeden Abend auf, nahm dort zunächst eine einfache Arbeitermahlzeit für 60 Pfennige zu sich und wartete eine Gelegenheit ab, um sich unbemerkt in der Besenkammer zu verstecken. Dort verharrte er anschließend mehrere Stunden bis zur Schließung des Gasthauses, und höhlte über 30 Nächte in mühevoller, riskanter Kleinarbeit die Säule aus, um den Zeitzünder dort zu deponieren.

Scheitern

Das akribisch geplante und punktgenau um 21.20 Uhr stattfindende Attentat misslang, weil Hitler früher als vorgesehen den Saal verließ: Wegen schlechten Wetters hatte sich Hitler gegen einen Flug nach Berlin und für eine Bahnfahrt entschieden. Um den Zug zu erreichen, kürzte er seine Rede ab und verließ 13 Minuten vor der Detonation den Bürgerbräukeller.

Haft und Ermordung

Elser saß zwischen 1940 und 1945 in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau ein. Nach dem siegreichen Kriegsende für Deutschland wollte man ihn in einem Schauprozess verurteilen. Lange glaubt man auf Seiten des Regimes, es müsse noch weitere Mitwirkende geben - die Bewältigung eines solchen logistischen Aufwands mochte man einem Einzelnen nicht zutrauen. Wenige Tage vor Kriegsende wurde er in Dachau erschossen.

Kaum bekannt, kaum anerkannt

Die Elser-Büste ist eine der wenigen Würdigungen des couragierten Einzeltäters, der sowohl während als auch nach der Zeit der NS-Herrschaft kaum anerkannt und zum Teil als SS-Mitglied verleumdet wurde. Sie wurde von der Ernst-Freiberger-Stiftung initiiert und reiht sich Stiftungsangaben zufolge in die "Straße der Erinnerung" ein, auf der bereits Konrad Zuse, Thomas Mann und Walther Rathenau geehrt werden. Die Ansprachen hielten ihren Angaben zufolge Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Berlins ehemaliger Kultursenator Christoph Stölzl.
(ddp/ur)
weitere Nachrichten aus der Kategorie „City- & Szenenews“:
Diskriminierung oder lediglich polizeiliche Erfahrung? Weil ihn ein Bundespolizist aufgrund seiner Hautfarbe kontrollierte, erstattete ein dunkelhäutiger Deutscher Anzeige - und verlor. » mehr lesen
In Großbritannien steigt der Absatz erotischer E-Books. Auch in Deutschland könnte das unerkannte Konsumieren erotisch-brisanter Geschichten Schule machen. » mehr lesen
Am 4. August fällt der Startschuss für die nächtliche Laufveranstaltung in Rostock. Der persönliche Startschuss aber kann bereits jetzt abgefeuert werden - was nicht nur sportliche Vorteile birgt. » mehr lesen