Deine Beziehungen halten nie lange? Du fühlst dich oft eingeengt? Bist du vielleicht „polyamourös“?

City- & Szenenews

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29.12.2007



Im vergangenen Jahr bin ich immer und immer wieder über einen Begriff gestolpert: Polyamory. Er begegnete mir in verschiedenen Artikeln in Zeitungen und Zeitschriften und einige Male im Fernsehen. Mit jedem Mal wurde das Thema für mich interessanter.
Dabei geht es um Liebesbeziehungen, die mit mehreren Menschen gleichzeitig geführt werden. Ich fand das Thema interessant, weil es auch für Menschen in der klassischen Zweierbeziehung einige Fragen aufwirft.

Was ist aber nun dran an der Polyamory? Jedem ist klar, dass es One Night Stands, Seitensprünge, Affären und ähnliches gibt. Zugleich geht es dabei vor allem um Sex. Polyamory meint aber etwas anderes. Wikipedia definiert es als „die Praxis, Liebesbeziehungen zu mehr als einem Menschen zur gleichen Zeit zu haben, mit vollem Wissen und Einverständnis aller beteiligten Partner.“ Hier geht es viel stärker um die emotionalen Seiten von Beziehungen. Ein Mensch ist nicht nur mit einem anderen Menschen sehr stark emotional verbunden sondern gleich mit mehreren. Polyamor lebende Menschen beschreiben den Wechsel zu dieser Beziehungsform immer wieder als einen großen Zugewinn. Sie fühlen sich freier und sind meist glücklicher mit ihrem neuen Lebensstil.

Das faszinierende an Polyamory ist, dass man sich ganz anders mit der eigenen Eifersucht auseinanderzusetzen muss als in der romantischen Zweierbeziehung. In dieser klassischen Beziehungsform kann eine kleine Portion Eifersucht ein Kompliment sein, da sie zeigt, dass jemand seinen Partner nicht verlieren möchte. Ausgeprägte und übersteigerte Eifersucht ist allerdings immer eine Belastung für den Anderen in der Beziehung. Der selbst polyamor lebend und liebende Paartherapeut Markus Bärlocher sagte in der Süddeutschen Zeitung Eifersucht ist ein Gemisch aus verschiedensten Gefühlen vor allem Verlustangst und Neid. In den meisten Fällen wird sie als eine Belastung empfunden. Eifersucht ist wie ein Schatten, der sich über alles Schöne in einer Liebesbeziehung legen kann.

Dieses beengende Gemenge aus negativen Gefühlen gibt es auch in der Polyamory. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Hier wird ihm nicht wie in der romantischen Zweierbeziehung durch das Versprechen nie eine Andere oder einen Anderen zu haben begegnet. Nach der Auseinandersetzung mit den eigenen Empfindungen und Ängsten vor Verlust entsteht eine andere Bedeutung von Treue. Zur Verlässlichkeit und Beständigkeit der gegenseitigen Beziehung zwischen zwei Menschen kommt eine weitere und das gegenseitige Einverständnis einen dritten oder vierten Partner zu akzeptieren. Polyamor liebende Menschen wissen, dass sie sich auf die Liebe ihres Partners verlassen können, auch wenn dieser noch einen anderen Menschen liebt.

Ob man nun selbst „polyamourös“ ist, muss jeder für sich herausfinden. Doch auch, wenn man mit einem einzigen Partner völlig zufrieden ist, lohnt es, sich mal mit der eigenen Eifersucht neu auseinanderzusetzen.

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