Forscher: Viele Schüler haben falsches DDR-Bild
City- & Szenenews
25.07.2008
Viele junge Menschen idealisieren den ehemaligen SED-Staat. Ist die Schule schuld?
Der Forschungsverbund SED-Staat an der Freien Universität Berlin kritisiert den Umgang vieler Schulen mit der DDR-Vergangenheit. Forschungsleiter Klaus Schroeder sagte, die meisten Lehrpläne versagten, wenn es um die historisch korrekte Darstellung der früheren Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), deren Machtausübung und Unterdrückungsmechanismen in der DDR gehe.
"Völlig falsche Vorstellungen"
Schroeder und seine Co-Autorin Monika Deutz-Schroeder stellten heute die Studie "Soziales Paradies oder Stasi-Staat?" offiziell vor. Für die Untersuchung wurden mehr als 5.200 Schüler in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Berlin befragt. Die Studie zeigt den Autoren zufolge, dass viele Schüler völlig falsche Vorstellungen von der DDR haben.
Wissenlücken im Osten
So bezeichnet in Ostdeutschland nicht einmal jeder zweite Schüler, in Westdeutschland jeder Dritte die DDR nicht ausdrücklich als Diktatur. In Brandenburg und Ost-Berlin wüssten nur gut 38 Prozent, dass es in der DDR keine demokratischen Wahlen gab. Historisch falsche Einschätzungen gebe es zur Rolle der Staatssicherheit und zur Umweltverschmutzung in der DDR.
Bayern wissen am besten Bescheid
Die besten Kenntnisse wiesen Schüler in Bayern nach. Ein idealisiertes DDR-Bild pflegten der Untersuchung zufolge Kinder deutschstämmiger Familien aus der ehemaligen Sowjetunion und Rumänien, gefolgt von Ost-Berliner Schülern.
Zusammenhang zwischen Unwissenheit und positiver Einschätzung
Erstmals habe eine Studie den direkten Zusammenhang zwischen Wissen über die DDR und einer daraus folgenden Haltung ergeben. Schröder sagte: "Durchgängig zeigt sich, dass mit sinkendem Wissensstand die negative Bewertung deutlich, in einigen Ländern, zum Beispiel in Brandenburg, sogar drastisch abnimmt."
Schuld sei unzureichendes Lehrmaterial, das meist auch nur in Auszügen verwendet werde. Gerade "in welchem Maße die SED Staat, Wirtschaft und Gesellschaft lenkte und kontrollierte und auf welcher politisch-ideologischen Grundlage sie als Staatspartei agierte", werde nirgends deutlich, urteilten die Autoren.
Was ist deine Meinung?
Wie denkst du über den untergegangenen Staat? War er so lustig wie in "Sonnenallee" oder "NVA"? War "nicht alles schlecht"? Ist der Osten Kult? Oder gibt's für dich nichts Schlimmeres als Ostalgiker? Diskutiere mit anderen Spionen im Forum!
(ddp/ur)
Viele junge Menschen idealisieren den ehemaligen SED-Staat. Ist die Schule schuld?
Der Forschungsverbund SED-Staat an der Freien Universität Berlin kritisiert den Umgang vieler Schulen mit der DDR-Vergangenheit. Forschungsleiter Klaus Schroeder sagte, die meisten Lehrpläne versagten, wenn es um die historisch korrekte Darstellung der früheren Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), deren Machtausübung und Unterdrückungsmechanismen in der DDR gehe.
"Völlig falsche Vorstellungen"
Schroeder und seine Co-Autorin Monika Deutz-Schroeder stellten heute die Studie "Soziales Paradies oder Stasi-Staat?" offiziell vor. Für die Untersuchung wurden mehr als 5.200 Schüler in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Berlin befragt. Die Studie zeigt den Autoren zufolge, dass viele Schüler völlig falsche Vorstellungen von der DDR haben.
Wissenlücken im Osten
So bezeichnet in Ostdeutschland nicht einmal jeder zweite Schüler, in Westdeutschland jeder Dritte die DDR nicht ausdrücklich als Diktatur. In Brandenburg und Ost-Berlin wüssten nur gut 38 Prozent, dass es in der DDR keine demokratischen Wahlen gab. Historisch falsche Einschätzungen gebe es zur Rolle der Staatssicherheit und zur Umweltverschmutzung in der DDR.
Bayern wissen am besten Bescheid
Die besten Kenntnisse wiesen Schüler in Bayern nach. Ein idealisiertes DDR-Bild pflegten der Untersuchung zufolge Kinder deutschstämmiger Familien aus der ehemaligen Sowjetunion und Rumänien, gefolgt von Ost-Berliner Schülern.
Zusammenhang zwischen Unwissenheit und positiver Einschätzung
Erstmals habe eine Studie den direkten Zusammenhang zwischen Wissen über die DDR und einer daraus folgenden Haltung ergeben. Schröder sagte: "Durchgängig zeigt sich, dass mit sinkendem Wissensstand die negative Bewertung deutlich, in einigen Ländern, zum Beispiel in Brandenburg, sogar drastisch abnimmt."
Schuld sei unzureichendes Lehrmaterial, das meist auch nur in Auszügen verwendet werde. Gerade "in welchem Maße die SED Staat, Wirtschaft und Gesellschaft lenkte und kontrollierte und auf welcher politisch-ideologischen Grundlage sie als Staatspartei agierte", werde nirgends deutlich, urteilten die Autoren.
Was ist deine Meinung?
Wie denkst du über den untergegangenen Staat? War er so lustig wie in "Sonnenallee" oder "NVA"? War "nicht alles schlecht"? Ist der Osten Kult? Oder gibt's für dich nichts Schlimmeres als Ostalgiker? Diskutiere mit anderen Spionen im Forum!
(ddp/ur)
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