Kinder im Schönheitswahn
City- & Szenenews
16.07.2008
Der Schönheitswahn in den USA nimmt immer krassere Formen an. Die jüngsten Kundinnen in den Schönheitssalons sind zwei Jahre alt. Spätestens im Grundschulalter kennen die Mädchen das A und O des perfekten Stylings.
Schon im Kindergartenalter lernen junge amerikanische Mädchen, dass sie sich hübsch machen müssen. Anfangs wird der Umgang mit Make-Up und Styling oft als Event zelebriert. So sind Prinzessinnen-Partys zum Geburtstag, wie Katja Gelinksy auf faz.net berichtet, keine Seltenheit. Die kleinen Mädchen ziehen gemeinsam Prinzessinnenkostüme inklusive Krone, Hals- und Ohrenschmuck und Handtäschchen an. Bis hierhin ist die Party noch eine harmlose Veranstaltung - welches kleine Mädchen möchte schließlich nicht einmal Prinzessin sein?
Dann aber geht es an den Schminktisch. Nagellack, Lidschatten, Lipgloss und Rouge werden aufgetragen und die Mädchen müssen stillhalten, während ihnen "resolut alle Natürlichkeit aus den Kindergesichtern geschminkt wird". Der Höhepunkt der Party besteht schließlich darin, dass die jungen Mädchen über eine Catwalk laufen und posieren müssen. Am Rand stehen die Mütter und ermuntern ihre Töchter unermüdlich zum Lächeln.
Der Markt stürzt sich auf die "Tweens"
Immer früher werden diese Rituale aber nicht nur auf Prinzessinnen-Partys zelebriert, sondern auch in den Alltag der Mädchen integriert. Katja Gelinsky zufolge haben heute fast zwei Drittel der amerikanischen sechs- bis neunjährigen Mädchen lackierte Nägel; rund sechzig Prozent der Mädchen im Alter von acht bis zwölf Jahren benutzen Parfüms, Körpersprays, Lipgloss und Lippenstift.
Nicht ohne Grund stürzt sich seit Neuestem die Kosmetikindustrie auf die sogenannten "Tweens", das heißt, acht- bis zwölfjährige Mädchen. Das Kosmetikunternehmen "Tween Beauty" zum Beispiel wirbt in einem seiner Werbespots mit dem Slogan "Unser Lippenglanz schmeckt süßer als ein Keks". An die jungen Mädchen wird heute eine unfassbare Bandbreite an Kosmetika verkauft. Sogar Cellulite-Cremes finden ihre Käuferinnen bereits in dieser Altersgruppe.
Das Geschäft mit den Kinderkosmetika ist sehr lukrativ, denn die Mütter zahlen bereitwillig für die Schönheitspflege ihrer Töchter und schicken ihre Kleinen auch immer häufiger zu Beautybehandlungen. Im Schönheitssalon "Eclips" in der Nähe von Washington sind die jüngsten Kundinnen gerade einmal zwei Jahre alt. Mit den Kleinen, erzählt eine der beiden Geschäftsführerinnen, sei das Arbeiten besonders schwer, weil sie immer den Nagellack verwischen. 500 Millionen Dollar Jahresumsatz bescheren die Tweens und ihre Mütter der Kosmetikindustrie. Auch Welt.de berichtet von diesem neuen Trend auf dem Markt.
"Bratz-Puppen" schicken Barbie in Rente
Seinen Ausdruck findet der Beauty- und Stylingwahn unter jungen Mädchen auch in den "Bratz-Puppen", die die gute alte Barbie-Puppe aus den Mädchenzimmern allmählich verdrängen. Bratz-Puppen sind stark geschminkt, haben riesengroße Augen und einen lasziven Schlafzimmerblick und dazu einen überdimensionalen Schmollmund; sie tragen Miniröcke, Netzstrümpfe und Federboas und bereiten vor allem den Psychologen Sorgen: Die Puppen, so sagen sie, beweisen, wie weit die Sexualisierung der jungen Mädchen bereits vorangeschritten sei. Ebenso wie die Kleidungsindustrie, die Push-Up-Bhs für Siebenjährige und kleine Tangas mit der Aufschrift "Zwinker Zwinker" herstellt, können die Puppen dazu führen, dass junge Mädchen mit allen Mitteln dem propagierten Schönheitsideal hinterhereifern. Nicht selten seien Essstörungen und Depressionen die Folge. Eileen Zubriggen, Vorsitzende der Amerikanischen Psychologischen Vereinigung APA, kann diese Entwicklung nur bestätigen. „Schon Erstklässlerinnen sind auf Diät, weil sie ihre Kinderbäuche loswerden wollen", erzählt sie.
Wenn sich der Schönheitswahn weiter ausbreitet, werden wir solche Bilder von kleinen, zurechtgeschminkten Mädchen bei Schönheitsbällen wohl noch öfter zu sehen bekommen:
(sh)
Der Schönheitswahn in den USA nimmt immer krassere Formen an. Die jüngsten Kundinnen in den Schönheitssalons sind zwei Jahre alt. Spätestens im Grundschulalter kennen die Mädchen das A und O des perfekten Stylings.
Schon im Kindergartenalter lernen junge amerikanische Mädchen, dass sie sich hübsch machen müssen. Anfangs wird der Umgang mit Make-Up und Styling oft als Event zelebriert. So sind Prinzessinnen-Partys zum Geburtstag, wie Katja Gelinksy auf faz.net berichtet, keine Seltenheit. Die kleinen Mädchen ziehen gemeinsam Prinzessinnenkostüme inklusive Krone, Hals- und Ohrenschmuck und Handtäschchen an. Bis hierhin ist die Party noch eine harmlose Veranstaltung - welches kleine Mädchen möchte schließlich nicht einmal Prinzessin sein?
Dann aber geht es an den Schminktisch. Nagellack, Lidschatten, Lipgloss und Rouge werden aufgetragen und die Mädchen müssen stillhalten, während ihnen "resolut alle Natürlichkeit aus den Kindergesichtern geschminkt wird". Der Höhepunkt der Party besteht schließlich darin, dass die jungen Mädchen über eine Catwalk laufen und posieren müssen. Am Rand stehen die Mütter und ermuntern ihre Töchter unermüdlich zum Lächeln.
Der Markt stürzt sich auf die "Tweens"
Immer früher werden diese Rituale aber nicht nur auf Prinzessinnen-Partys zelebriert, sondern auch in den Alltag der Mädchen integriert. Katja Gelinsky zufolge haben heute fast zwei Drittel der amerikanischen sechs- bis neunjährigen Mädchen lackierte Nägel; rund sechzig Prozent der Mädchen im Alter von acht bis zwölf Jahren benutzen Parfüms, Körpersprays, Lipgloss und Lippenstift.
Nicht ohne Grund stürzt sich seit Neuestem die Kosmetikindustrie auf die sogenannten "Tweens", das heißt, acht- bis zwölfjährige Mädchen. Das Kosmetikunternehmen "Tween Beauty" zum Beispiel wirbt in einem seiner Werbespots mit dem Slogan "Unser Lippenglanz schmeckt süßer als ein Keks". An die jungen Mädchen wird heute eine unfassbare Bandbreite an Kosmetika verkauft. Sogar Cellulite-Cremes finden ihre Käuferinnen bereits in dieser Altersgruppe.
Das Geschäft mit den Kinderkosmetika ist sehr lukrativ, denn die Mütter zahlen bereitwillig für die Schönheitspflege ihrer Töchter und schicken ihre Kleinen auch immer häufiger zu Beautybehandlungen. Im Schönheitssalon "Eclips" in der Nähe von Washington sind die jüngsten Kundinnen gerade einmal zwei Jahre alt. Mit den Kleinen, erzählt eine der beiden Geschäftsführerinnen, sei das Arbeiten besonders schwer, weil sie immer den Nagellack verwischen. 500 Millionen Dollar Jahresumsatz bescheren die Tweens und ihre Mütter der Kosmetikindustrie. Auch Welt.de berichtet von diesem neuen Trend auf dem Markt.
"Bratz-Puppen" schicken Barbie in Rente
Seinen Ausdruck findet der Beauty- und Stylingwahn unter jungen Mädchen auch in den "Bratz-Puppen", die die gute alte Barbie-Puppe aus den Mädchenzimmern allmählich verdrängen. Bratz-Puppen sind stark geschminkt, haben riesengroße Augen und einen lasziven Schlafzimmerblick und dazu einen überdimensionalen Schmollmund; sie tragen Miniröcke, Netzstrümpfe und Federboas und bereiten vor allem den Psychologen Sorgen: Die Puppen, so sagen sie, beweisen, wie weit die Sexualisierung der jungen Mädchen bereits vorangeschritten sei. Ebenso wie die Kleidungsindustrie, die Push-Up-Bhs für Siebenjährige und kleine Tangas mit der Aufschrift "Zwinker Zwinker" herstellt, können die Puppen dazu führen, dass junge Mädchen mit allen Mitteln dem propagierten Schönheitsideal hinterhereifern. Nicht selten seien Essstörungen und Depressionen die Folge. Eileen Zubriggen, Vorsitzende der Amerikanischen Psychologischen Vereinigung APA, kann diese Entwicklung nur bestätigen. „Schon Erstklässlerinnen sind auf Diät, weil sie ihre Kinderbäuche loswerden wollen", erzählt sie.
Wenn sich der Schönheitswahn weiter ausbreitet, werden wir solche Bilder von kleinen, zurechtgeschminkten Mädchen bei Schönheitsbällen wohl noch öfter zu sehen bekommen:
(sh)
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