Mr. Westerwave is not amused
City- & Szenenews
01.10.2009
Bei seiner ersten Pressekonferenz nach der Wahl weigerte sich der designierte Außenminister Guido Westerwelle, die Frage eines BBC-Reporters auf Englisch zu beantworten. Im In- und Ausland macht man sich nun lustig über "Mr. Westerwave". Ist die Häme berechtigt?
Ein deutscher Außenminister, der kein Englisch spricht? Aus allen Richtungen hagelt es derzeit Spott, weil unser künftiger Mann für internationale Angelegenheiten sich kürzlich bei einer Pressekonferenz weigerte, einem BBC-Journalisten eine Frage auf Englisch zu beantworten.
Teutonisches Selbstbewusstsein?
Die britische Tageszeitung "The Independent" reagierte mit Häme und verurteilte Guido Westerwelle im Rundumschlag: Früher sei der FDP-Politiker durch zweifelhafte Wahlkampfmaßnahmen aufgefallen, habe sich ins deutsche Big-Brother-Haus begeben und sei mit seinem "Guidomobil" durch die Gegend gefahren. Exzentrik zähle zweifelsohne zu seinen Eigenschaften. Und auch eine gewisse Dickköpfigkeit schiebt der "Independent" dem liberalen Politiker zu. Dass er die Frage nicht auf Englisch beantwortete, sei ein "Vorgeschmack auf ein neues teutonisches Selbstbewusstsein in internationalen Angelegenheiten".
Kritik an der barschen Verurteilung bekommt die britische Tageszeitung von ihren eigenen Lesern: "Wir sollten ihn anhand seiner Politik, nicht anhand seiner Englischkenntnisse beurteilen!", fordert ein Leser. Ein anderer fragt provokant: "Wie wär's denn, wenn die BBC einen Journalisten nach Deutschland schickt, der Deutsch spricht, so dass er sich nicht blamiert, indem er eine Frage auf Englisch stellt, die zuvor schon auf Deutsch beantwortet wurde?" Viele der Kommentatoren stellen überdies infrage, dass man von einem italienischen, spanischen oder französischen Minister ebenso erwarten würde, dass er in fließendem Englisch pariert.
Westerwelle - Feindbild der Alt-68er
Auch Welt.de nimmt Westerwelle in Schutz. Der Politiker habe gemäß internationaler Gepflogenheiten - und damit völlig richtig reagiert. Es gelte, bei Statements mit internationalem Bezug möglichst in der Muttersprache zu antworten, weil es auf jede Nuance ankomme und klüger sei, einmal unhöflich zu sein, als später diplomatische Verwicklungen entwirren zu müssen. Außerdem wäre es witzig, Hillary Clinton einmal auf Deutsch zu befragen. Nach Meinung von Welt.de geht es bei der ganzen Diskussion auch gar nicht so sehr um Westerwelles Englisch, sondern vielmehr um seine Person - er, der "stets gelackte, strebsame, ehrgeizige Marktliberale" tauge einfach zu gut als "Feindbild der Alt-68er".
Guido vom Stammtisch
Auch Carsten Hübner zeigt auf freitag.de zunächst Verständnis für Westerwelles Weigerung, auf Englisch zu antworten. "Warum hätte sich Westerwelle auf seiner ersten Pressekonferenz als Außenminister in spe blamieren sollen?", fragt er, immerhin gebe es ja Dolmetscher. Dennoch ist Hübner nicht mit der Reaktion des künftigen Außenministers einverstanden. Denn: "Wir sind hier in Deutschland!" sei so ziemlich die provinziellste Reaktion, die Westerwelle habe einfallen können. Damit habe er sich in eine "nationale Attitüde" geflüchtet, die kategorischer auch ein "deutschtümelnder Stammtisch" nicht hätte formulieren können. Da habe auch die nachgeschobene Einladung zum Tee nichts mehr retten können.
"I speak English very well, but ich kann noch nicht so schnell!"
Bleibt die Frage, wie schlecht es denn wirklich um die Englischkenntnisse des FDP-Politikers steht.
Guido Westerwelles Englisch ist nach Meinung von Welt.de übrigens ein Schulenglisch, das dem vielen seiner Kollegen durchaus überlegen sei. Tatsächlich ist sein Englisch weniger aufgrund fehlerhafter Grammatik zu kritisieren - aber etwas flüssiger sollte es ihm über die Lippen gehen.
Fremdschämen bei den Grünen
Die Grünen nahmen den Rummel um Westerwelle sofort zum Anlass, Druck gegen den frisch in die Regierung gewählten Politiker aufzubauen. Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Grünen, veröffentlichte einen Tag nach dem Fauxpas des Liberalen ein Video im Netz.
(she)
Bei seiner ersten Pressekonferenz nach der Wahl weigerte sich der designierte Außenminister Guido Westerwelle, die Frage eines BBC-Reporters auf Englisch zu beantworten. Im In- und Ausland macht man sich nun lustig über "Mr. Westerwave". Ist die Häme berechtigt?
Ein deutscher Außenminister, der kein Englisch spricht? Aus allen Richtungen hagelt es derzeit Spott, weil unser künftiger Mann für internationale Angelegenheiten sich kürzlich bei einer Pressekonferenz weigerte, einem BBC-Journalisten eine Frage auf Englisch zu beantworten.
Teutonisches Selbstbewusstsein?
Die britische Tageszeitung "The Independent" reagierte mit Häme und verurteilte Guido Westerwelle im Rundumschlag: Früher sei der FDP-Politiker durch zweifelhafte Wahlkampfmaßnahmen aufgefallen, habe sich ins deutsche Big-Brother-Haus begeben und sei mit seinem "Guidomobil" durch die Gegend gefahren. Exzentrik zähle zweifelsohne zu seinen Eigenschaften. Und auch eine gewisse Dickköpfigkeit schiebt der "Independent" dem liberalen Politiker zu. Dass er die Frage nicht auf Englisch beantwortete, sei ein "Vorgeschmack auf ein neues teutonisches Selbstbewusstsein in internationalen Angelegenheiten".
Kritik an der barschen Verurteilung bekommt die britische Tageszeitung von ihren eigenen Lesern: "Wir sollten ihn anhand seiner Politik, nicht anhand seiner Englischkenntnisse beurteilen!", fordert ein Leser. Ein anderer fragt provokant: "Wie wär's denn, wenn die BBC einen Journalisten nach Deutschland schickt, der Deutsch spricht, so dass er sich nicht blamiert, indem er eine Frage auf Englisch stellt, die zuvor schon auf Deutsch beantwortet wurde?" Viele der Kommentatoren stellen überdies infrage, dass man von einem italienischen, spanischen oder französischen Minister ebenso erwarten würde, dass er in fließendem Englisch pariert.
Westerwelle - Feindbild der Alt-68er
Auch Welt.de nimmt Westerwelle in Schutz. Der Politiker habe gemäß internationaler Gepflogenheiten - und damit völlig richtig reagiert. Es gelte, bei Statements mit internationalem Bezug möglichst in der Muttersprache zu antworten, weil es auf jede Nuance ankomme und klüger sei, einmal unhöflich zu sein, als später diplomatische Verwicklungen entwirren zu müssen. Außerdem wäre es witzig, Hillary Clinton einmal auf Deutsch zu befragen. Nach Meinung von Welt.de geht es bei der ganzen Diskussion auch gar nicht so sehr um Westerwelles Englisch, sondern vielmehr um seine Person - er, der "stets gelackte, strebsame, ehrgeizige Marktliberale" tauge einfach zu gut als "Feindbild der Alt-68er".
Guido vom Stammtisch
Auch Carsten Hübner zeigt auf freitag.de zunächst Verständnis für Westerwelles Weigerung, auf Englisch zu antworten. "Warum hätte sich Westerwelle auf seiner ersten Pressekonferenz als Außenminister in spe blamieren sollen?", fragt er, immerhin gebe es ja Dolmetscher. Dennoch ist Hübner nicht mit der Reaktion des künftigen Außenministers einverstanden. Denn: "Wir sind hier in Deutschland!" sei so ziemlich die provinziellste Reaktion, die Westerwelle habe einfallen können. Damit habe er sich in eine "nationale Attitüde" geflüchtet, die kategorischer auch ein "deutschtümelnder Stammtisch" nicht hätte formulieren können. Da habe auch die nachgeschobene Einladung zum Tee nichts mehr retten können.
"I speak English very well, but ich kann noch nicht so schnell!"
Bleibt die Frage, wie schlecht es denn wirklich um die Englischkenntnisse des FDP-Politikers steht.
Guido Westerwelles Englisch ist nach Meinung von Welt.de übrigens ein Schulenglisch, das dem vielen seiner Kollegen durchaus überlegen sei. Tatsächlich ist sein Englisch weniger aufgrund fehlerhafter Grammatik zu kritisieren - aber etwas flüssiger sollte es ihm über die Lippen gehen.
Fremdschämen bei den Grünen
Die Grünen nahmen den Rummel um Westerwelle sofort zum Anlass, Druck gegen den frisch in die Regierung gewählten Politiker aufzubauen. Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Grünen, veröffentlichte einen Tag nach dem Fauxpas des Liberalen ein Video im Netz.
(she)
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