Neonazis vertreiben Badegäste
City- & Szenenews
08.07.2008
Was passiert, wenn Neonazis den Wachschutz für private Objekte übernehmen, kann derzeit im beschaulichen Örtchen Zeischa in Brandenburg beobachtet werden. Dort vertreiben Neonazis die Touristen.
Die Sonne strahlt über dem 80 Hektar großen Baggersee im südbrandenburgischen Zeischa, doch die Strände sind menschenleer. Neonazis bewachen in dem kleinen Ortsteil von Bad Liebenwerda (Landkreis Elbe-Elster) das Ufer, aufhalten darf sich hier niemand. Seit vergangener Woche versetzen kahlgeschorene, stämmige Wachmänner der NPD die Badegäste in Angst und Schrecken.
Mirko Schüring, Besitzer der Kiesgrube und Betreiber des Kieswerkes, hatte die Rechten zum Schutz seines Betriebsgeländes angeheuert, nachdem dort mehrmals eingebrochen worden war. "Wachschutz ist die eine Sache, aber die NPD ins Boot zu holen, ist ungeheuerlich", sagt Bad Liebenwerdas Bürgermeister Thomas Richter (CDU).
Für den zum Betrieb der Kiesgrube gehörenden Uferbereich bestehe seit anderthalb Wochen Badeverbot. Betroffen sind die Besitzer von mehr als 200 Bungalows, die weiterhin gerne vor der Haustür baden würden und nun einen langen Weg bis zum öffentlichen Waldbad auf der gegenüberliegenden Seeseite in Kauf nehmen müssen, sowie die Besucher des Nacktbadestrands.
Neonazis verjagen Touristen - Umsatzeinbußen beim Einzelhandel und Gastgewerbe
Die laut Medienberichten aus dem sächsischen Pirna stammenden Neonazis hatten mehrere Tage lang mit Schlauchbooten am See patrouilliert und den Strand kontrolliert. "Sie haben uns nicht mehr ins Wasser gelassen, wir sollten verschwinden", erzählt eine junge Mutter, die mit ihren beiden Kindern sonst regelmäßig in Zeischa zum ruhiger gelegenen Nacktbadestrand geht.
"Wir wollen hier keine Nazis", sagt ein alter Mann, während er seinen Rasen mäht. "Herr Schüring hat unserem ganzen Ort geschadet", ergänzt der Dorfbewohner. In Zeischa leben viele Menschen vom Tourismus. Neben dem großen Campingplatz gibt es noch vier Gaststätten im Ort.
Auch Roland Dietze, Inhaber des Waldcafés, kann die Aktion des Unternehmers nicht nachvollziehen: "Die Zahl der Tagesgäste und der Badebetrieb haben seit den Patrouillen insgesamt erheblich abgenommen", sagt er. "Die Badegäste können sicher am wenigstens für die Diebstähle", betont der Gastwirt. Dorfbewohner, Bungalowbesitzer und Angler würden jährlich bei Arbeitseinsätzen den Strand säubern, sie zu bestrafen sei völlig unangebracht.
(ddp/AG)
Was passiert, wenn Neonazis den Wachschutz für private Objekte übernehmen, kann derzeit im beschaulichen Örtchen Zeischa in Brandenburg beobachtet werden. Dort vertreiben Neonazis die Touristen.
Die Sonne strahlt über dem 80 Hektar großen Baggersee im südbrandenburgischen Zeischa, doch die Strände sind menschenleer. Neonazis bewachen in dem kleinen Ortsteil von Bad Liebenwerda (Landkreis Elbe-Elster) das Ufer, aufhalten darf sich hier niemand. Seit vergangener Woche versetzen kahlgeschorene, stämmige Wachmänner der NPD die Badegäste in Angst und Schrecken.
Mirko Schüring, Besitzer der Kiesgrube und Betreiber des Kieswerkes, hatte die Rechten zum Schutz seines Betriebsgeländes angeheuert, nachdem dort mehrmals eingebrochen worden war. "Wachschutz ist die eine Sache, aber die NPD ins Boot zu holen, ist ungeheuerlich", sagt Bad Liebenwerdas Bürgermeister Thomas Richter (CDU).
Für den zum Betrieb der Kiesgrube gehörenden Uferbereich bestehe seit anderthalb Wochen Badeverbot. Betroffen sind die Besitzer von mehr als 200 Bungalows, die weiterhin gerne vor der Haustür baden würden und nun einen langen Weg bis zum öffentlichen Waldbad auf der gegenüberliegenden Seeseite in Kauf nehmen müssen, sowie die Besucher des Nacktbadestrands.
Neonazis verjagen Touristen - Umsatzeinbußen beim Einzelhandel und Gastgewerbe
Die laut Medienberichten aus dem sächsischen Pirna stammenden Neonazis hatten mehrere Tage lang mit Schlauchbooten am See patrouilliert und den Strand kontrolliert. "Sie haben uns nicht mehr ins Wasser gelassen, wir sollten verschwinden", erzählt eine junge Mutter, die mit ihren beiden Kindern sonst regelmäßig in Zeischa zum ruhiger gelegenen Nacktbadestrand geht.
"Wir wollen hier keine Nazis", sagt ein alter Mann, während er seinen Rasen mäht. "Herr Schüring hat unserem ganzen Ort geschadet", ergänzt der Dorfbewohner. In Zeischa leben viele Menschen vom Tourismus. Neben dem großen Campingplatz gibt es noch vier Gaststätten im Ort.
Auch Roland Dietze, Inhaber des Waldcafés, kann die Aktion des Unternehmers nicht nachvollziehen: "Die Zahl der Tagesgäste und der Badebetrieb haben seit den Patrouillen insgesamt erheblich abgenommen", sagt er. "Die Badegäste können sicher am wenigstens für die Diebstähle", betont der Gastwirt. Dorfbewohner, Bungalowbesitzer und Angler würden jährlich bei Arbeitseinsätzen den Strand säubern, sie zu bestrafen sei völlig unangebracht.
(ddp/AG)
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