Post bringt Briefmarken mit Rudolf-Heß-Motiv in Umlauf
City- & Szenenews
22.05.2008
Ein Nazi-Verbrecher als Briefmarkenmotiv - wie konnte das passieren?
"Mit eigenen Fotomotiven Besonderes entwerfen. Ganz exklusiv & lebendig" - so wirbt die Deutsche Post seit Februar 2008 für den "Plusbrief individuell". Was für Geschäftskunden schon eine Weile möglich war, soll seit Kurzem auch Privatkunden animieren, sich der altmodischen Post als Kommunikationsmittel zu bedienen und dafür auch etwas tiefer in die Tasche zu greifen: endlich nicht mehr 50 Jahre Deutscher Werkbund oder langweilige Blumen, sondern Omas Enkel auf dem Umschlag.
"Goethe, Schiller und jetzt auch Sie: Entwerfen Sie Ihre eigene Marke!"
Dass so eine schicke Marketingidee auch nach hinten losgehen kann, zeigte sich am Mittwoch: Die Deutsche Post brachte unfreiwillig Briefmarken mit dem Bild des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß in Umlauf. Insgesamt 20 Marken (das kleinstmögliche Bestellkontingent für den "Plusbrief individuell") wurden an den Kunden verschickt, der dieses Motiv online eingesetzt hatte. Heß, der aktiv an der Judenverfolgung beteiligt und zeitweise Stellvertreter Adolf Hitlers war, hatte sich auch nach dem Krieg nie von der nationalsozialistischen Ideologie abgewandt und wird in Neonazikreisen als "Märtyrer" verehrt.
Keine Anzeige?
Extremistische, pornografische oder gewaltverherrlichende Motive würden bei dem Online-Angebot für Geburtstags- oder Geschenkmarken normalerweise aussortiert, sagte Post-Sprecher Dirk Klasen. Ein Dutzend Mitarbeiter kümmere sich um die Kontrolle der Bilder, um Missbrauch zu vermeiden, das Nazimotiv sei jedoch übersehen worden."Bei 70 Millionen Briefen täglich lassen sich solche Fälle aber nie ausschließen." Gleichwohl bedaure man, dass dies "leider passiert" sei. Eine Strafanzeige gegen die verantwortlichen Kunden sei derzeit nicht geplant.
"Neue Auseinandersetzung"
Wie die ddp auf den Fall aufmerksam wurde, ist nicht bekannt. Fest steht nur: Er wirft ein mehr als komisches Licht auf die Aussage von Jens Raderschadt, Team-Leiter "Innovative Produkte" der Deutschen Post AG: "Mit der positiven Resonanz unserer Kunden sind wir sehr zufrieden.(...) Für uns ist es spannend zu sehen, wie sich die Menschen wieder mit dem Medium Brief auseinandersetzen." Der Rest der Welt ist gespannt, was als nächstes durch die Kontrolle rutscht. Kleiner Tipp vom Spion: Schulungsmaterial für die Bildprüfer befindet sich hier. Augen auf im Briefverkehr!
(ur/ddp)
Ein Nazi-Verbrecher als Briefmarkenmotiv - wie konnte das passieren?
"Mit eigenen Fotomotiven Besonderes entwerfen. Ganz exklusiv & lebendig" - so wirbt die Deutsche Post seit Februar 2008 für den "Plusbrief individuell". Was für Geschäftskunden schon eine Weile möglich war, soll seit Kurzem auch Privatkunden animieren, sich der altmodischen Post als Kommunikationsmittel zu bedienen und dafür auch etwas tiefer in die Tasche zu greifen: endlich nicht mehr 50 Jahre Deutscher Werkbund oder langweilige Blumen, sondern Omas Enkel auf dem Umschlag.
"Goethe, Schiller und jetzt auch Sie: Entwerfen Sie Ihre eigene Marke!"
Dass so eine schicke Marketingidee auch nach hinten losgehen kann, zeigte sich am Mittwoch: Die Deutsche Post brachte unfreiwillig Briefmarken mit dem Bild des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß in Umlauf. Insgesamt 20 Marken (das kleinstmögliche Bestellkontingent für den "Plusbrief individuell") wurden an den Kunden verschickt, der dieses Motiv online eingesetzt hatte. Heß, der aktiv an der Judenverfolgung beteiligt und zeitweise Stellvertreter Adolf Hitlers war, hatte sich auch nach dem Krieg nie von der nationalsozialistischen Ideologie abgewandt und wird in Neonazikreisen als "Märtyrer" verehrt.
Keine Anzeige?
Extremistische, pornografische oder gewaltverherrlichende Motive würden bei dem Online-Angebot für Geburtstags- oder Geschenkmarken normalerweise aussortiert, sagte Post-Sprecher Dirk Klasen. Ein Dutzend Mitarbeiter kümmere sich um die Kontrolle der Bilder, um Missbrauch zu vermeiden, das Nazimotiv sei jedoch übersehen worden."Bei 70 Millionen Briefen täglich lassen sich solche Fälle aber nie ausschließen." Gleichwohl bedaure man, dass dies "leider passiert" sei. Eine Strafanzeige gegen die verantwortlichen Kunden sei derzeit nicht geplant.
"Neue Auseinandersetzung"
Wie die ddp auf den Fall aufmerksam wurde, ist nicht bekannt. Fest steht nur: Er wirft ein mehr als komisches Licht auf die Aussage von Jens Raderschadt, Team-Leiter "Innovative Produkte" der Deutschen Post AG: "Mit der positiven Resonanz unserer Kunden sind wir sehr zufrieden.(...) Für uns ist es spannend zu sehen, wie sich die Menschen wieder mit dem Medium Brief auseinandersetzen." Der Rest der Welt ist gespannt, was als nächstes durch die Kontrolle rutscht. Kleiner Tipp vom Spion: Schulungsmaterial für die Bildprüfer befindet sich hier. Augen auf im Briefverkehr!
(ur/ddp)
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