Strom durch längere AKW-Laufzeiten nicht billiger

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09.09.2010

Die Regierung behauptet, die Laufzeitverlängerung bei den Atomkraftwerken werde den Strompreis in den nächsten Jahren niedrig halten. Experten wie Valentin Hollain bezweifeln das.

Die angekündigte Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke (AKW) wird den Strompreis nicht niedrig halten. Damit kontern Experten für erneuerbare Energien der Argumentation der deutschen Bundesregierung. "Schon in der Liberalisierung der vergangenen Jahre stieg der Strompreis ständig - und das trotz eines signifikanten Anteils der Kernenergie an der Energieerzeugung", betont Valentin Hollain, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Eurosolar, im Interview mit pressetext. Eine große Marktverschiebung sei nun vorprogrammiert, die der Experte als "eindeutig negativ" beurteilt.

Starre Systeme sind teuer

Das Szenario der Regierung sieht für 2050 einen Energiemix vor, bei dem die Erneuerbaren einen Anteil von 80 Prozent einnehmen werden. Dieses Ziel wird auf dem angepeilten Weg nicht erreicht werden, sagt Hollain, da dieser starre und flexible Energieformen miteinander verknüpft. "Windanlagen oder Photovoltaik haben einen veränderlichen Output und brauchen flexible Ergänzungen wie etwa Gaskraftwerke. AKWs hingegen sind unflexible Grundlastkraftwerke." Dieser Systemkonflikt erschwere die Integration Erneuerbarer Energien, mache den Energietransport über große Distanzen nötig und verteuere damit den Strompreis.

Erneuerbare auf der Wartebank

Eine Verschärfung der Situation befürchtet Hollain seitens des Wirtschaftsministeriums. "Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist der Vorrang Erneuerbarer Energien gegenüber anderen Energiequellen verankert. Das heißt, dass AKWs und andere fossile Kraftwerke bei viel Wind ihre Erzeugung drosseln müssen. Eine Einschränkung des Einspeisevorrangs bei der nächsten EEG-Novelle zugunsten fossil-atomarer Grundlastkraftwerke verweist die Erneuerbaren Energien weiter auf die lange Bank. Bei Offshore-Windkraftwerken wird somit nicht mehr viel geschehen, insbesondere vonseiten der Energiekonzerne." Atomenergie und erneuerbare Energie passen nicht zusammen, so das Credo des Eurosolar-Experten, denn mehr Atomstrom im Netz enge den Wachstumspielraum der Erneuerbaren deutlich ein.

Marktkonzentration nicht nachhaltig

Ähnlich wie die Opposition, IG Metall oder Naturschutz-Organisationen kritisiert auch Hollain die Stärkung der großen Energieversorger durch das Regierungspapier. "Heute sind 80 Prozent der Energieerzeugung in der Hand von fünf Anbietern. Diese werden nun nur weiter gestärkt, obwohl 95 der 100 Mrd. Euro, die seit 2000 in erneuerbare Energien investiert wurden, seitens der Stadtwerke, Betreibergemeinschaften und individuellen Investoren kamen. Nachhaltig ist diese Strategie nicht."

(pte/pb)

15
Kommentare insgesamt

Andy E.
09.09.2010 17:04
reg. Mitglied
es kommt ja immer drauf an wenman wählt....

wählst du die cdu oder ftp, dann gibts kernkraftwerke
wählst du die ods oder die grünen, dann gibts erneuerbare energieen
wählt du die linke, dann gibts wieder braunkohlekraftwerke.

kann damit nciht mal schluss ein und wirklich was getan werden für die erhaltung der umwelt unabhängig von parteien? es ist nervig.

wozu beschließen regierungen gesetze wenn sie dann doch wieder mit dem nächsten regierungswechsel salopp gesagt ins gegenteil geändert werden?

09.09.2010 18:27
Gast
diese selbsternannten experten der ökospinner sind schon ein lustiges völkchen. der "experte" stellt sein unwissen schon damit offen zur schau, wie er sich zur grundlastversorgung äußert. die grundlastversorgung MUSS unter allen umständen sichergestellt sein, und darf nicht von wetterfaktoren oder aktuellen täglich schwankenden gaspreisen abhängig gemacht werden.

der strom wird auch weiterhin teurer werden, solange der strommarkt so überreguliert bleibt.

das fängt doch schon mit dem unsinnigen erneuerbare energien gesetz an.
ohne diesen zwang überteuerten strom zu nehmen, würden die strompreise auch wirklich sinken.

jeder sollte doch wissen, dass propeller in keinster weise grundlastfähig sind, noch auf ihre lebenszeit gerechnet und selbst bei voller auslastung an 365 tagen im jahr (was unmöglich ist, da selbst an den windigsten orten mal gerade 200 tage wind ist) nichtmal das an energie zurückliefern, was ihr bau an atomstrom verbraucht hat. trotzdem werden ganze landstriche mit diesem propellerspargel zugepflastert, koste es was es wolle. es werden naturschutzgebiete (führt zum aussterben von tierarten) zerstört, ackerland unbrauchbar gemacht und sinnlos ressourcen und rohstoffe in den bau von sowas verschwendet. und alles im namen des ökoterrorismus.

und wo soll der strom nachts bei windstille herkommen, wenn man in deutschland den ökospinnern nicht schnellstmöglich das handwerk legt und ihre lobby in der regierung zerschlägt ?

da bleibt uns ja nur noch der import von strom aus fortschrittlichen ländern, wie beispielsweise schweden, wo bereits neue akws geplant und gebaut werden.

die einzig verwertbare aussage in dem artikel ist die feststellung, dass der strommarkt in deutschland in der hand von 5 monopolisten ist, und diese entsprechend die preise hochschrauben, während kleinere anbieter auf das tote pferd "erneuerbare energien" gesetzt haben, noch weitere darauf setzen und in dieser sackgasse nun ihr geld verbrennen. aber darüber jammern die kleinen, anstatt dort auszusteigen.
wie wäre es denn, wenn sie auf verlässlichere dinge setzen würden ?
was spricht gegen eigene kleine akws oder geothermiekraftwerke ?

Marco V K.
09.09.2010 18:28
reg. Mitglied
es ist völligst egal, wen oder was man wählt, solange die lobbyisten ihre finger mit im spiel haben. vor allem die herren und damen der erdölkonzerne ( allen voran die herrschaften von shell ), die sehr großen anteil daran haben, dass in bezug auf forschung und entwicklung von regenerativen energien immer schön der finger drauf gehalten wird, sodass es nur " sehr zögernd " voran geht. die technik ist da, aber solange es erdöl geben wird, werden wir auch keinen aufschwung in bezug auf " saubere energie " sehen, bemerken, geschweige denn haben.

Andy E.
09.09.2010 19:59
reg. Mitglied
@astina.

wie willst du in zukunft die endlagerfrage lösen?
hast du mal drüber nachgedacht wieviel megawattstunden eine windkraftanlage jährlich bringt?? vielleicht wirst du erkennen dass man damit hunderte windkraftanlagen bauen kann

ich finde deine argumente nicht qualifiziert und denke du hast den sinn nicht vertanden warum die atommeiler weg sollen. du kannst dir ja gern einen nicht ehr nutzbaren brennelementestab in die vase stellen

Fiete70
09.09.2010 20:13
reg. Mitglied
Na dat merkst doch schon an seiner Aussage, dass es nachts windstill ist...
Hallo???

09.09.2010 21:37
Gast
Wer soll vor allem diese Anlagen warten, wenn es nachts dunkler als draussen ist?!

Andy E.
09.09.2010 22:55
reg. Mitglied
schmunzel... )

Quinto
10.09.2010 07:00
reg. Mitglied
solange es nur 4 große Energieversorger (Vattenfall, RWE, EON und den anderen, den ich immer vergesse) gibt, wird sich an der Gesamtsituation leider nichts ändern, da durch deren regionale Aufteilung kein Wettbewerb um Kunden stattfindet und kartellmäßig Preise kalkuliert werden. Kein Wettbewerb um den Kunden, kein Ansporn für Innovation sondern Beibehaltung des Status Quo. Läuft ja. ...

Martin B.
10.09.2010 07:39
reg. Mitglied
Mit uns kanns ja gemacht werden. Der Deutsche zahlt und zahlt. Wir haben mit die höchsten Strompreise in der EU. Wir regen uns auf, aber gezahlt wird trotzdem.

Jetzt kommt eventuell eine AKW-Verlängerung. Sie bezieht sich auf Volllastangaben. Da aber kein Kraftwerk ständig mit Volllast gefahren werden kann, (egal ob AKW, Kohle oder Windkraft) wird sich die Laufzeit verlängern. So ist es nicht absehbar, wann wir auf Atomkraft verzichten können und wann nicht. Ich find´s einfach nur traurig, wie die Regierung am Volk vorbeiregiert. Vielleicht sollten wieder Montagsdemos stattfinden?

MfG MB

10.09.2010 07:56
Gast
Bei der gesamten Debatte denkt leider niemand daran, wieviele Arbeitsplätze hinter den Kernkraftwerken stehen!
15
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