Tag der Deutschen Einheit- Spezial! Heute: Die Mauer in der Sprache
City- & Szenenews
Berliner Mauer - Symbol der Deutschen Teilung
01.10.2007
Am 03. Oktober feiern wir bereits zum 18. Mal die Wiedervereinigung Deutschlands. Bis beide Teile zu einer Einheit verschmolzen sind, müssen aber wohl noch ein paar Jährchen ins Land gehen. Nicht selten entrutschen uns Vorurteile und mutmaßliche Stereotype über den Westen (aka der Klassenfeind aus dem kapitalistischen Ausland) oder den Osten, bekanntermaßen eine Ansammlung von Hinterwäldlern.
Auch heute noch wissen wir ziemlich wenig von unseren Nachbarn aus dem jeweils anderen Bundesland. Damit das nicht so bleibt, widmet sich der Spion eine ganze Woche lang der Wiedervereinigung – ein Beitrag zur Völkerverständigung:
Was ist eigentlich ein Broiler?
Das Verhältnis zwischen Ossis und Wessis könnte wahrscheinlich besser sein, wenn sie sich einfach verstehen würden. Lachhaft? Nun, als meine Großeltern vor vielen Jahren unserer Verwandschaft aus München einen „blauen Würger“ anboten, dachten diese, sie würden bestraft, weil sie uns nie Geschenke haben zukommen lassen (in der DDR übrigens als Westpakete bekannt und begehrt). Diese grausam klingende Kombination ist nichts weiter als ein Synonym für den in der DDR erhältlichen „Kristall Wodka“. Übrigens, auch nach einer Kostprobe war unsere Verwandschaft davon überzeugt, dass sie nur knapp einem Mordversuch entgangen waren: Pur war das Zeug kaum zu genießen – macht nichts, man konnte es ja mit Club Cola oder Brause (Limonade) mixen.
Zur Beruhigung bekamen die beiden erst einmal lecker Kompott (Nachtisch) und Kaffee. Apropos: Den gab es in der DDR oft nur als Muckefuck (Kaffeeersatz). „Falls ihr Hunger habt, kann ich euch auch ein paar Stullen (belegte Brote) machen. Ich habe vorhin extra noch leckeres Sülzfleisch in der Kaufhalle (Supermarkt) besorgt!“ „Das musst du nicht, aber es wäre lieb, wenn du uns etwas mitgeben könntest.“ Kein Problem! Liebevoll verpackte meine Großmutter das Essen in Staniolpapier (Alufolie) und legte noch einen Fetzer (Schokoriegelmarke) dazu.
Man trägt Niethosen
In dem Moment rauschte meine Tante von draußen herein, den Turnbeutel (Sporttasche) fest umklammert. „Wo kommst du denn her?“ „Na, ich war doch bei der Popgymnastik (Aerobic). Ich bin aber auch gleich wieder weg, heute gibt es einen neuen Schallplattendreher (DJ) zu sehen, der soll echt knorke (toll) sein! Ich schlafe dann in der Laube (Garten). Wo ist denn meine Waschtasche (Kulturbeutel)?“ „Weiß ich nicht, aber deine Niethosen (Jeans) und dein rotes Nicki (T-Shirt) habe ich frisch gewaschen. Vergiss deinen Anorak (wind- und wetterfeste Jacke) nicht, wenn du gehst! Und falls du morgen noch ein wenig Unkraut jäten möchtest: Die Tobesachen (Klamotten, die man nur noch zum Arbeiten trug, weil sie alt uns ausgeleiert waren) liegen in der Anbauwand (Schrankkomplex).“
Ach ja, die Anbauwand. Gemeinsam mit der neuen Auslegware (Teppichboden), waren sie der ganze Stolz meiner Großeltern. Unsere Westverwandschaft konnte die Euphorie nicht ganz teilen - vielleicht lag es aber auch an der Uhrzeit, immerhin war es schon dreiviertel zehn (21.45).
Tag der Deutschen Einheit - Deutschland zu Gast in Mecklenburg-Vorpommern
Am 03. Oktober feiern wir bereits zum 18. Mal die Wiedervereinigung Deutschlands. Bis beide Teile zu einer Einheit verschmolzen sind, müssen aber wohl noch ein paar Jährchen ins Land gehen. Nicht selten entrutschen uns Vorurteile und mutmaßliche Stereotype über den Westen (aka der Klassenfeind aus dem kapitalistischen Ausland) oder den Osten, bekanntermaßen eine Ansammlung von Hinterwäldlern.
Auch heute noch wissen wir ziemlich wenig von unseren Nachbarn aus dem jeweils anderen Bundesland. Damit das nicht so bleibt, widmet sich der Spion eine ganze Woche lang der Wiedervereinigung – ein Beitrag zur Völkerverständigung:
Was ist eigentlich ein Broiler?
Das Verhältnis zwischen Ossis und Wessis könnte wahrscheinlich besser sein, wenn sie sich einfach verstehen würden. Lachhaft? Nun, als meine Großeltern vor vielen Jahren unserer Verwandschaft aus München einen „blauen Würger“ anboten, dachten diese, sie würden bestraft, weil sie uns nie Geschenke haben zukommen lassen (in der DDR übrigens als Westpakete bekannt und begehrt). Diese grausam klingende Kombination ist nichts weiter als ein Synonym für den in der DDR erhältlichen „Kristall Wodka“. Übrigens, auch nach einer Kostprobe war unsere Verwandschaft davon überzeugt, dass sie nur knapp einem Mordversuch entgangen waren: Pur war das Zeug kaum zu genießen – macht nichts, man konnte es ja mit Club Cola oder Brause (Limonade) mixen.
Zur Beruhigung bekamen die beiden erst einmal lecker Kompott (Nachtisch) und Kaffee. Apropos: Den gab es in der DDR oft nur als Muckefuck (Kaffeeersatz). „Falls ihr Hunger habt, kann ich euch auch ein paar Stullen (belegte Brote) machen. Ich habe vorhin extra noch leckeres Sülzfleisch in der Kaufhalle (Supermarkt) besorgt!“ „Das musst du nicht, aber es wäre lieb, wenn du uns etwas mitgeben könntest.“ Kein Problem! Liebevoll verpackte meine Großmutter das Essen in Staniolpapier (Alufolie) und legte noch einen Fetzer (Schokoriegelmarke) dazu.
Man trägt Niethosen
In dem Moment rauschte meine Tante von draußen herein, den Turnbeutel (Sporttasche) fest umklammert. „Wo kommst du denn her?“ „Na, ich war doch bei der Popgymnastik (Aerobic). Ich bin aber auch gleich wieder weg, heute gibt es einen neuen Schallplattendreher (DJ) zu sehen, der soll echt knorke (toll) sein! Ich schlafe dann in der Laube (Garten). Wo ist denn meine Waschtasche (Kulturbeutel)?“ „Weiß ich nicht, aber deine Niethosen (Jeans) und dein rotes Nicki (T-Shirt) habe ich frisch gewaschen. Vergiss deinen Anorak (wind- und wetterfeste Jacke) nicht, wenn du gehst! Und falls du morgen noch ein wenig Unkraut jäten möchtest: Die Tobesachen (Klamotten, die man nur noch zum Arbeiten trug, weil sie alt uns ausgeleiert waren) liegen in der Anbauwand (Schrankkomplex).“
Ach ja, die Anbauwand. Gemeinsam mit der neuen Auslegware (Teppichboden), waren sie der ganze Stolz meiner Großeltern. Unsere Westverwandschaft konnte die Euphorie nicht ganz teilen - vielleicht lag es aber auch an der Uhrzeit, immerhin war es schon dreiviertel zehn (21.45).
Tag der Deutschen Einheit - Deutschland zu Gast in Mecklenburg-Vorpommern
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