In der Schweiz wird Sex zur Kindersache

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© andrimka
30.05.2011

Sexualkunde ist nicht gerade ein neuer Begriff. Doch den Lehrplanern in der Schweiz scheint die Aufklärung nicht weit genug zu gehen und nicht früh genug zu beginnen. Lust erleben im Kindergarten und mit hölzernen Penissen die Sexualität erkunden - damit sind nicht alle Schweizer einverstanden.

Wenn die Ferien vorbei sind, steht in Basel ein neues Unterrichtsfach auf dem Lehrplan: Sexualkunde. Und zwar obligatorisch! Die Aufklärung soll dabei schon im Kindergarten beginnen. Und, so ist es bei Blick.ch zu lesen, sie reicht viel weiter, als es manchen Eltern lieb ist. Gelernt wird mithilfe von praktischen Hilfsmitteln, die als Lehrmaterial zur Verfügung gestellt werden, sowie durch die Erfahrung am eigenen Körper.

Schon die vierjährigen Kindergartenkinder sollen anhand von eindeutigem Bildmaterial und Puppen lernen, den männlichen und den weiblichen Körper inklusive der Geschlechtsorgane zu unterscheiden. Ihnen wird erklärt, wie Kinder gezeugt werden und wie eine Geburt vor sich geht. Ebenso sollen die kleinen Schweizer "erkennen, dass Berührungen an Körperstellen lustvoll sein können", so Daniel Schneider. Der Konrektor Kindergärten hat zusammen mit Fachpersonen für den Kanton Basel-Stadt den Leitfaden ausgearbeitet, der nun Anwendung finden soll.

Sexualität lustvoll entwickeln und erleben

Schneider hat selbst in Kindergärten gearbeitet und erklärt: "Dass Kinder in diesem Alter Lust empfinden, ist normal. Das darf man nicht abklemmen - sonst kann sich das negativ auf die Entwicklung auswirken." Den lustvollen Umgang untereinander könnten die Kinder lernen, indem sie sich bei leiser Musik gegenseitig massieren oder mit warmen Sandsäcken berühren. Schneider glaubt, dass "Kinder dabei unterstützt werden sollen, ihre Sexualität lustvoll zu entwickeln und zu ­erleben". Wichtig sei aber, "dass sie lernen, Nein zu sagen, wenn sie an einer Stelle nicht ­berührt werden wollen".

Noch eindeutiger wird der Unterricht in den oberen Schulklassen. Hier soll der Sexualkundeunterricht mithilfe von Aufklärungsvideos, Vaginas aus Plüsch und hölzernen Penissen vonstattengehen.

Ein solch unverkrampfter Umgang mit dem Thema Sex ist nicht nur in Basel üblich. In verschiedenen Schulhäusern in den Kantonen St. Gallen und Appenzell kennt man beispielsweise den sogenannten Sexteppich. Das ist eine bunte Collage aus Papierschnipseln mit obszönen Begriffen, die von den Kindern aufgeschrieben wurden, um sie in der Aufklärungsstunde vorzulesen. "Ficken", "bumsen" und "knallen" gehören dabei noch zu den harmloseren Begriffen.

Sexualkunde macht schweizweit Schule

"Durch das laute Lesen sollen die Kinder spüren, dass Wörter verletzen, aber auch erfreuen können. Wir ermuntern sie, Worte zu benützen, welche angenehme Gefühle auslösen", sagt Pius Widmer (62), Theologe und Sexualpädagoge der Fachstelle für Aids- und Sexual­fragen in St. Gallen.

Bald schon könnte ein solcher Sexualkundeunterricht in der ganzen Schweiz Anwendung finden. Derzeit arbeitet ein Fachgremium das Grundkonzept für den Lehrplan 21 aus, der 2014 in Kraft treten soll und den Sexualkundeunterricht schweizweit obligatorisch machen könnte.

Ein Problem der Erwachsenen

Gleichzeitig formiert sich der Widerstand bei Eltern, Lehrern und Pädagogen. "Ein solcher Unterricht ist skandalös. Aufklärung ist Sache der ­Eltern", meint etwa Daniel Trappitsch, selbst Sexualtherapeut und Mitglied des Vereins Bürger für Bürger, der Dutzende von Kritikern vertrit. Auch Politiker, vor allem aus dem konservativen und rechtsbürgerlichen Lager, lehnen diese Form der Aufklärung ab. So sieht CVP- Nationalrat Pius Segmüller darin "eine Abartigkeit, die nahe an die Perversität kommt".

Die Verantwortlichen wehren sich gegen die massive Kritik. Der Basler Schularzt und Präventiv­mediziner Thomas Steffen, der den Leitfaden für seinen Kanton herausgegeben hat, erwidert den Kritikern: "Kinder haben das Recht, kindergerecht aufgeklärt zu werden. Das Tabu, das daraus gemacht wird, ist ein Problem der Erwachsenen."

Bis 2014 wollen sich die ­Bildungsdirektoren auf einen verbindlichen Lehrplan einigen, der den obligatorischen Sexualkunde-Unterricht in der gesamten Schweiz verankert.

(pb)

99
Kommentare insgesamt

Toby G.
30.05.2011 19:45
Gast
Schon im Kindergarten, bei vierjährigen Kindern ?
Anfangs der Grundschule hat man uns einen Aufklärungsporno und so gezeigt, aber in der Kindergartenzeit wär das sicherlich viel zu früh gewesen.
Man(Frau) fängt doch erst ab 8 (min 6) Jahre an zu pubertieren !

Und wenn die Kinder sehen sollen, wie Menschen nackt aussehen, sollen se ne Wanderung am FKK-Strand unternehmen
Könnte auch zur Schocktherapie werden ^^

Caroline H.
30.05.2011 20:33
Gast
ab dem Kindergarten?
aber noch gehts denen gut?
gibt ja auch nichts wichtigeres als Sexualität in der kindlichen Laufbahn...man man man die haben sonst wohl nichts, worüber sie nachdenken brauchen

Das Kuestenmaedchen
30.05.2011 21:55
reg. Mitglied
Meine Fresse -.-

John Gotti
30.05.2011 23:13
reg. Mitglied
anstelle von Holzpenissen etc. kann den Kindern auch das Mittagsprogramm von RTL zur aufklärung gezeigt werden.

Aber ohne Spaß das ist zu früh ...

Professor A.
30.05.2011 23:21
Gast
Im Kindergarten stecken sich die Kleinen auch so schon Murmeln in den Hintern...

Ich finde Aufklärung wichtig, sie kann verhindern, dass Kinder selber Kinder bekommen, wie es in letzter Zeit immer häufiger vorkommt.

Ob nun dazugehört, den Kleinen obszöne Wörter beizubringen, ist wieder ne andere Sache. Aber der Grundansatz ist gut und wichtig.

LBCCaleb
31.05.2011 00:16
reg. Mitglied
Jo, dann gibts demnächst die ersten 6 Jährigen, die sich in der KITA Toilette vorm Frühstück die erste Nummer gönnen xDD

So is richtig

RostockerMama T.
31.05.2011 07:38
Gast
naja so wissen die kinder dann wie man kinder bekommt und dann wird es immer früher dass kinder kinder kriegen,oh mein gott

ONicole O
31.05.2011 08:11
reg. Mitglied
Die ticken doch ehrlich nichtmehr ganz richtig
Ich würde nicht wollen dass meine Kleine mit 4 / 5 schon weiß was Sex ist....

Sannie V.
31.05.2011 10:26
reg. Mitglied
Boah Leute... ihr stellt euch an... Siiicher: Kinder kriegen immer früher Kinder, weil sie wissen, wie es geht! oO Sorry, aber die Aussage ist der größte Blödsinn!! Ich wurde auch im Kindergarten aufgeklärt. Da war eine Mutti, die einen dicken Bauch hatte und weil wir alle gefragt haben, wieso sie so dick ist, wurde uns kindgerecht erklärt, woher sowas kommt!

Die Jugendlichen bekommen heute immer früher Kinder, weil sie eben nicht genügend aufgeklärt wurden! Wie kommt es denn sonst zu Aussagen wie "Ich kann gar nicht schwanger sein, da war die Decke drüber und Licht aus!!"... Schlimm finde ich TV-Formate wie "Teenie-Mütter" oder son Schwachsinn, die das Bild vermitteln, dass es toll ist mit 18 schon das zweite Kind zu haben!

Was ist denn an kindgerechter Aufklärung auszusetzen? Nachfragen tun die kleinen so oder so! Und anscheinend kriegen es ja viele Eltern einfach nicht gebacken, das zu übernehmen...

Mr P.
31.05.2011 11:46
Gast
und wer hat's erfunden????

RICOLA
99
Kommentare insgesamt
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